Psychiatrie

Das Bild zeigt eine Ärztin, die eine Patientin tröstet.

Die stationäre Psychiatrie und Psychosomatik vollzieht derzeit einen umfassenden Wandlungsprozess in der Leistungsabbildung, Dokumentation und der Einführung einer leistungsgerechten Vergütung. Der Gesetzgeber hat im § 17 d Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) aus dem Jahr 2009 ein neues Vergütungssystem vorgesehen. Ziel ist es, die Versorgung der Patienten zu verbessern. Erfolgreiche Wege, die bereits durch die Psychiatrie-Reform in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen wurden, sollen weiterverfolgt werden:

  • Reduktion der vollstationären Versorgung zugunsten ambulanter gemeindepsychiatrisch-orientierter Versorgung
  • mehr Behandlungstransparenz und Leitlinienorientierung
  • eine Behandlung, die sich am Bedürfnis der Patienten ausrichtet und nicht am Interesse der einzelnen Institutionen.

Die enormen Ausgabensteigerungen im GKV-System der letzten Jahre fordern, die eingesetzten Ressourcen effizient, sparsam und zielgerichtet zu verwenden.

Die Selbstverwaltungspartner auf Bundesebene (Deutsche Krankenhausgesellschaft, GKV-Spitzenverband, Verband der Privaten Krankenversicherung) haben den Auftrag, das System auf Basis der Arbeiten des DRG-Institutes (InEK) zu entwickeln und zu vereinbaren.

Budgetneutrale Einführung 2013

Der Zeitplan sieht eine budgetneutrale Einführung des neuen Vergütungssystems im Jahre 2013 vor. Damit ist der Katalog der Tagespauschalen und die Vereinbarung für das System noch im Jahr 2012 auf Basis von Kalkulations- und Leistungsdaten des Datenjahres 2011 zu vereinbaren.

Bereits seit dem Jahr 2010 besteht eine Dokumentationspflicht für die nach OPS-Ziffern zu erfassenden Behandlungsleistungen (inkl. der Einstufung aller Patienten nach der Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV)), um vorbereitend eine Probekalkulation zu ermöglichen. Des Weiteren soll geprüft werden,

  • ob für bestimmte Leistungsbereiche andere Abrechnungseinheiten eingeführt werden können
  • ob die Leistungen der psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) integriert werden können.

Die Selbstverwaltungspartner haben mit der Vereinbarung vom 30.11.2009 die Grundstrukturen sowie in einer Ergänzungsvereinbarung vom 16.03.2012 die Eckpunkte zur Einführung des neuen Entgeltsystems festgelegt.

Die vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) und GKV-Spitzenverband formulierten Grundsätze zur Ausgestaltung des ordnungspolitischen Rahmens zur Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen nach § 17 d KHG vom 29.03.2011 sehen im Kern die Schaffung einer leistungsorientierten Vergütung in einem finanziell stabilen Rahmen vor und konkretisieren diese Forderung in zehn Leitlinien für die Gestaltung des gesetzlichen Ordnungsrahmens.

Weiterentwicklung des Vergütungssystems für psychiatrische Einrichtungen

DKG, PKV und GKV-Spitzenverband hatten das DRG-Institut im November 2013 beauftragt, in Ergänzung zum derzeitigen Verfahren der Katalogentwicklung weitere tagesbezogene Analysen durchzuführen und nach Lösungen zu suchen, damit Erlös- und Aufwandsverlauf für die Patientengruppen nicht extrem auseinanderfallen. In die Prüfung sollten auch tagesbezogene Vergütungskomponenten einbezogen werden. Auf dieser Basis wurden im April 2014 Vorgaben für die Weiterentwicklung des PEPP-Vergütungssystems vereinbart.

Wesentliche Kritikpunkte wurden aufgegriffen und in der Systementwicklung berücksichtigt. Die tagesbezogenen Kostenverläufe auf Basis der Kalkulationsdaten der Krankenhäuser zeigen deutlich höhere Kosten an den ersten Tagen der Behandlung. Bei der Berücksichtigung aller Pflegetage (einschließlich des Entlassungstages) sind die mittleren Kosten insbesondere bei kürzerer Verweildauer niedriger, die Degression damit deutlich geringer. Durch Änderungen in der Ausgestaltung der Vergütungsstufen und der damit verbundenen Korrekturverfahren soll ein verbesserter Leistungs- und Aufwandsbezug erreicht werden. Der erhöhte Betreuungsaufwand von Patienten im weiteren Verlauf der Behandlung kann durch ergänzende tagesbezogene Vergütungen für Intensivbehandlung und 1:1-Betreuung sachgerechter abgebildet werden. Die Selbstverwaltungspartner auf Bundesebene haben eine gesonderte Vergütung von Leistungen der hochaufwendigen Diagnostik aufgrund der ungelösten Anreizproblematik zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt. Dringlich ist zudem die Weiterentwicklung der Leistungsdokumentation.

Die Forderungen nach einer Verlängerung der Optionsphase oder gar nach dem Ende des neuen Vergütungssystems verkennen, dass es zur Einführung eines leistungsorientierten Entgeltsystems keine vernünftige gesundheitspolitische Alternative gibt. Die vorliegende PEPP-Version ist nur ein Anfang. PEPP ist als lernendes System konzipiert. Die Kalkulationen müssen tagesgenauer werden, die Klassifikationen medizinisch gehaltvoller. Die damit verbundene kontinuierliche Weiterentwicklung des Vergütungssystems hängt entscheidend von der Beteiligung der Krankenhäuser am System ab, d. h. es muss angewendet werden. Eine längere Optionsphase prolongiert den ohnehin schon langfristig angelegten Zeitplan, ohne die Transparenz der psychiatrischen Versorgung als entscheidende Basis einer sachgerechten Weiterentwicklung zu verbessern.

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