Neuordnung der Spezialärztlichen Versorgung

In den vergangenen Jahren haben deutsche Krankenhäuser zunehmend Möglichkeiten erhalten, Patienten in ganz unterschiedlichen Rechtsrahmen ambulant zu behandeln. Vergleichbare Leistungen werden vielfach von Krankenhäusern und spezialisierten niedergelassenen Ärzten ambulant erbracht. Eine Abstimmung dieser ambulanten "Spezialärztlichen Versorgung" zwischen den Sektoren ist bislang nicht erkennbar.

Besonders deutlich tritt dies bei der fehlenden Berücksichtigung ambulanter Aktivitäten der Krankenhäuser bei der vertragsärztlichen Bedarfsplanung zutage. Künftig sollte die ambulante Versorgung in die drei Bereiche primär-, fach und spezialärztlich gegliedert werden. Die sektorübergreifende Bedarfsplanung ist allerdings nur ein Aspekt des grundsätzlichen Problems im Umgang mit ambulanten Krankenhausleistungen. Vergütung, Mengensteuerung, Zulassung und Versorgungssteuerung sowie einzelvertragliche Möglichkeiten sollten künftig sektorübergreifend ausgestaltet werden.

In einem Positionspapier "Spezialärztlichen Versorgung" (Stand: April 2011) hat der GKV-Spitzenverband Handlungsnotwendigkeiten zur Neuordnung ambulanter Krankenhausleistungen aus Sicht der Krankenkassen zusammengefasst.

Bei ambulanten Klinikleistungen handelt es sich um ein ausgesprochen vielfältiges gesetzliches Regelungsinstrumentarium. Nicht jede der unten angeführten Rechtsformen stellt jedoch eine ambulante Tätigkeit von Krankenhäusern dar. Zum Teil handelt es sich genau um das Gegenteil, nämlich die Tätigkeit von niedergelassenen Ärzten im Krankenhaus (z. B. Belegärzte) oder es handelt sich um Kooperationsformen des Krankenhauses mit vertragsärztlichen Leistungserbringern (Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Integrationsverträge).

Die Überlegungen des GKV-Spitzenverbandes zur Neuordnung einer spezialärztlichen Versorgung beziehen sich nur auf die ambulanten Krankenhaustätigkeiten im engeren Sinne (vgl. 1. Ambulante Krankenhaustätitgkeit). Alle hier genannten Rechtskonstruktionen haben einen Versorgungsbereich geschaffen, in dem Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte gleichermaßen an der Versorgung mitwirken.

1. Ambulante Krankenhaustätigkeit

  • Ambulantes Operieren (§ 115 b SGB V)
  • Hochschulambulanzen (§ 117 SGB V)
  • Psychiatrische Institutsambulanzen (§ 118 SGB V)
  • Sozialpädiatrische Zentren (§ 119 SGB V)
  • Vorstationäre Behandlung (§ 115 a SGB V)
  • Nachstationäre Behandlung (§ 115 a SGB V)
  • Teilstationäre Behandlung (§ 39 SGB V)
  • Besondere Erkrankungen (§ 116 b Abs. 2 - 4 SGB V)
  • Stundenfälle im DRG-System
  • Notfallambulanzen (§ 75 Abs. 1 SGB V)

Mehr Informationen zur ambulanten Krankenhaustätigkeit finden Sie hier.

2. (Temporäre) Nebentätigkeit von Krankenhausärzten in ambulanter Versorgung

  • Ermächtigung
  • Ermächtigung bei Unterversorgung

3. Kooperationen des Krankenhauses

  • Medizinische versorgungszentren
  • Integrierte Versrogung

4. Tätigkeit von niedergelassenen Ärzten im Krankenhaus oder „als Klinik"

  • Belegärzte
  • Praxisklinik
  • Honorararzt

5. Sonderformen

  • Disease Management Programme (DMP)
  • Kinderspezialambulanzen

Summiert man die Ausgaben der einzelnen Leistungsbereiche im engeren Bereich der ambulanten Klinikleistungen, so wird deutlich, dass insgesamt eine gesundheitspolitisch beachtliche Größenordnung von 4 Mrd. Euro erreicht wird.

Das Volumen spezialärztlicher Leistungen durch Krankenhäuser nähert sich kontinuierlich dem Komplement in der ambulanten fachärztlichen Versorgung. Die gesamte ärztliche Honorierung betrug im Jahr 2009 rund 30 Mrd. Euro. Davon waren rund 60 % Vergütung für fachärztliche Leistungen. Rechnet man ein Drittel davon als spezialärztliche Versorgung, dann ergibt das einen Betrag von 6 Mrd. Euro – eine Größenordnung, die zwar klar über den ambulanten Krankenhausleistungen liegt, die aber nach einer Neuordnung durchaus in den nächsten Jahren von den Krankenhäusern erreicht werden könnte.

Verhältnis der Ausgaben im spezialärztlichen Bereich

Ambulanter Bereich (2009, Schätzungen) in Mio. Euro
Ambulantes Operieren (§ 115 b SGB V) 630
Psychiatrische Institutsambulanzen (§ 118 SGB V) 390
vor- und nachstationäre Krankenhausbehandlung (§ 115a SGB V) 290
Sozialpädiatrische Zentren (§ 119 SGB V) 160
Ambulante Behandlung im Krankenhaus (§ 116b SGB V) 40
Stundenfälle 230
Teilstationäre Behandlung - Somatik 750
Teilstationäre Behandlung - Psychiatrie (§ 39 SGB V) 500
Notfallambulanzen (§ 75 Abs.1 SGB V) 380
Hochschulambulanzen (§ 117 SGB V) 540

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