Fokus: Innovationsfonds

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurden in den §§ 92a und b SGB V die gesetzlichen Regelungen zur Einführung des Innovationsfonds geschaffen. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 106 Projekte aus den Bereichen "Neue Versorgungsformen" und "Versorgungsforschung" gefördert. Das Themenspektrum neuer Versorgungsformen ist vielfältig und lässt erwarten, dass überzeugende Ansätze zur Weiterentwicklung der Regelversorgung erprobt werden.

Eine Patientin wird von einer Krankenschwester in ein MRT-Gerät geschoben.

Rückblick auf das Startjahr 2016

Im Jahr 2016 fiel der Startschuss: Der Gesetzgeber hat der gemeinsamen Selbstverwaltung mit dem Innovationsfonds ein Instrument an die Hand gegeben, um innovative Versorgungsformen und anwendungsorientierte Versorgungsforschung mit bis zu 300 Mio. € jährlich gezielt zu fördern. Nachdem sich der Innovationsausschuss konstituiert hat und der vom Bundesministerium für Gesundheit berufene Expertenbeirat besetzt war, wurden schon im April 2016 die ersten Förderbekanntmachungen ausgeschrieben. In einem wettbewerblich aufgesetzten und qualitätsgesicherten Auswahlverfahren hat der Innovationsausschuss bereits im Startjahr aus einer Vielzahl eingereichter Förderanträge insgesamt 91 innovative und potenzialträchtige Projekte zur Förderung ausgewählt. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die im Innovationsausschuss vertretenen Träger – namentlich der GKV-Spitzenverband und die weiteren Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens sowie die benannten Bundesministerien – sehr konstruktiv und mit hoher Sachkompetenz zusammenarbeiten. Die Förderentscheidungen des Innovationsausschusses wurden dabei konsequent nach Maßgabe der ausgeschriebenen Förderkriterien und unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Expertenbeirats getroffen.

Die Grafik zeigt den Prozess der Antragsbeurteilung beim Innovationsfonds.

Förderbereich „Neue Versorgungsformen“

Auch im zweiten Jahr des Innovationsfonds war das Interesse der Ärzte, Kliniken und Krankenkassen sowie der Universitäten und Forschungsinstitute groß. Der Innovationsausschuss bzw. der ihm zuarbeitende Arbeitsausschuss haben in 2017 mehr als 320 Projektanträge aus zwei Förderwellen bewertet. Im Förderbereich „Neue Versorgungsformen“ konnten sich 52 Anträge durchsetzen. Hierunter fallen beispielsweise Projekte aus dem Themenfeld „Delegation und Substitution“. In der Durchführung dieser Projekte wird sich erweisen, ob sich die Delegation ärztlicher Leistungen, die im Kollektivvertragsrecht schon angelegt ist, aber in der Regelversorgung noch zu wenig umgesetzt wird, in der Versorgungspraxis bewährt. Zu den geförderten Projekten gehört beispielsweise ein IT-gestütztes Fallmanagement zur Optimierung der Hypertonie-Therapie, das der Hausarzt an geschulte Medizinische Fachangestellte delegiert. Delegationsprojekte finden sich aber auch im zahnärztlichen Bereich. Gefördert wird z.B. ein Projekt, in dem fortgebildete zahnmedizinische Fachangestellte pflegebedürftige Menschen in ihrem häuslichen Umfeld aufsuchen, um ihnen niedrigschwellig präventiv wirkende, zahnmedizinische Leistungen anzubieten und die Pflegebedürftigen zusammen mit deren pflegenden Angehörigen in der Mundhygiene individuell zu schulen.

Daneben spielt auch die Digitalisierung als Querschnittsaufgabe im Gesundheitswesen eine herausragende Rolle im Innovationsfonds. So finden sich in diversen ausgewählten Projekten Versorgungsmodelle, in denen Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Akteure des Gesundheitssystems mithilfe telemedizinischer Anwendungen vernetzt werden. Dem Innovationsausschuss ist hier wichtig, dass mit geförderten Projekten keine technischen „Insellösungen“ neben der Telematikinfrastruktur der gematik geschaffen und aus Fondsmitteln finanziert werden. Daher stehen alle ausgewählten IT-Projekte unter der Auflage, dass bei der Nutzung von E-Health-Lösungen offene Schnittstellen und Interoperabilität gewährleistet werden.

Aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes ist es erfreulich, dass viele Mitgliedskassen ihre Innovationsfähigkeit bewiesen haben und die gesundheitliche Versorgung ihrer Versicherten auch jenseits des Kollektivvertrags gestalten wollen. Dies tun sie im Übrigen nicht nur, aber eben auch unter den Bedingungen des Innovationsfonds. Es ist bemerkenswert, dass sich auch über die Grenzen der bisherigen Verbändestrukturen hinaus neue Bündnisse gebildet haben und kassenartenübergreifend viele Förderanträge für neue Versorgungsformen eingereicht wurden und gefördert werden.

Geförderte Projekte im Jahr 2017

  Anzahl Volumen
Modelle mit Delegation und Substitution von Leistungen 4 7,7 Mio. Euro
Auf- und Ausbau der geriatrischen Versorgung 4 20,5 Mio. Euro
Verbesserung der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten und Förderung der Gesundheitskompetenz 9 42,2 Mio. Euro
Versorgungsmodelle für Menschen mit Behinderungen 4 7,1 Mio. Euro
Themenoffene Ausschreibung (Neue Versorgungsformen) 31 135,3 Mio. Euro
Themenoffene Ausschreibung (Versorgungsforschung) 54 69,4 Mio. Euro
Gesamt 106 282,2 Mio. Euro

Förderbereich „Versorgungsforschung“

In der Versorgungsforschung werden wichtige Grundsteine zur Weiterentwicklung der Versorgung gelegt und neue Konzepte entwickelt, implementiert sowie evaluiert. Wie auch schon im Jahr 2016 wurden auch in 2017 wieder neue Versorgungsforschungsprojekte eingereicht, bearbeitet und die vielversprechendsten Projekte durch den Innovationsausschuss gefördert. Insgesamt handelte es sich dabei um 54 Projekte mit einem Volumen von 69,4 Mio. €.

Es wurde eine große thematische Vielfalt gefördert: Sowohl für besondere Versichertengruppen wie ältere Menschen, Migranten und zu pflegende Menschen als auch für bestimmte Krankheitsbilder wie psychische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, onkologische Erkrankungen wurden spannende Forschungsprojekte ausgewählt. Wichtige übergeordnete Themen umfassen die Prüfung und Steuerung von Arzneimittelverordnungen oder die Notfallversorgung, die aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln (stationär, ambulant und aus Sicht des Rettungsdienstes) analysiert und evaluiert wird. Auch das Thema Digitalisierung kam nicht zu kurz: Beispielsweise werden onlinegestützte Beratungstools für Menschen mit Multipler Sklerose, nicht metastasiertem Prostatakarzinom oder für BRCA1/2-Mutationsträgerinnen evaluiert.

Ausblick auf 2018

Für das Jahr 2018 wurden bereits neue Förderbekanntmachungen mit aktuellen Themen veröffentlicht. Hierzu gehört unter anderem die Förderung von sozialleistungsträgerübergreifenden Projekten zur Überwindung der klassischen Schnittstellen zwischen der ambulanten, stationären oder rehabilitativen Versorgung bzw. zur Pflege. Trägerübergreifende Projekte könnten beispielsweise die Schnittstelle zwischen GKV und Rentenversicherung oder kommunalen Trägern betreffen. In der Versorgungsforschung können Projekte zur Entwicklung und Erprobung lernender Algorithmen zur Prognose von Krankheitsverläufen oder zur Generierung von Behandlungshinweisen gefördert werden.

Ob der Innovationsfonds über das Jahr 2019 hinaus fortgeführt wird, hängt maßgeblich von der Zwischenevaluation ab, die das Bundesministerium für Gesundheit vergibt. Auf Basis dieser Ergebnisse, die dem Deutschen Bundestag bis Ende März 2019 zugehen, wird die Politik über die Fortführung entscheiden. Somit bleiben die Evaluation und die darauf aufbauende Entscheidung mit Spannung abzuwarten.

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