Meldung vom 08.11.2018

Deutsche Transplantationsmediziner fordern Kehrtwende bei Organspenden

Berlin (AFP) - Transplantationemediziner haben eine Kehrtwende bei den Organspenden in Deutschland gefordert. Für den Weg "aus dem Transplantationstief" sei ein gesamtgesellschaftlicher Konsens nötig, um die Zahl der Organspenden wieder zu erhöhen, erklärte Bernhard Banas, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), am Donnerstag auf dem Jahreskongress in Berlin. Zwar hätten sich die Spenderzahlen nach dem historischen Tief 2017 in diesem Jahr leicht erholt, die Situation bleibe aber "besorgniserregend". Die Leidtragenden seien jene rund zehntausend Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Nur zwei Drittel schafften es bis zur lebensrettenden Transplantation. "Die Wartezeit auf ein Organ ist inakzeptabel lang", kritisierten die Transplantationsmediziner. Während in Deutschland ein Patient im Durchschnitt etwa acht bis zehn Jahre auf eine neue Niere warte, seien es in vielen Nachbarländern hingegen nur zwei Jahre. Das führe dazu, dass in Deutschland viele Patienten auf der Warteliste sterben oder von der Liste genommen werden müssen, weil sie nach der langen Zeit aufgrund ihres Allgemeinzustands keine Transplantation mehr überstehen würden. Der vor kurzem von Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf, der unter anderem eine bessere Vergütung von Kliniken vorsieht, die Spenderorgane entnehmen, sieht die Fachgesellschaft als "wichtigen Schritt auf dem Weg zur so dringend notwendigen Kehrtwende". Es müsse aber insgesamt gesellschaftlichen Konsens darüber geben, dass die Organspende gestärkt wird. In diesem Zusammenhang unterstüzten die Transplantationsmediziner die Einführung der Widerspruchslösung. Dies erhöhe die Zahl möglicher Spender, "aber vor allem nimmt es Druck von den Angehörigen". Außerdem setze die Widerspruchslösung "ein klares Zeichen pro Organspende". Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürwortet die Widerspruchslösung. Danach soll jeder als Spender gelten, wenn er oder Angehörige nicht ausdrücklich widersprechen. Bislang ist eine explizite Zustimmung erforderlich.